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Der Bildhauer Erich F. Reuter Raumtor

Zu ausgewählten Werken

An dieser Stelle erscheinen in loser Folge Texte zu ausgewählten Werken.

 

   

 

Gedanken zu einer „Waldskizze“

(November 2025) Die Arbeit mit der WVZ-Nummer 96 wurde von ihrem Schöpfer „Waldskizze“ getauft. Das Thema „Wald“ kommt als Werk der Bildhauerei sehr selten vor, vermutlich sogar überhaupt nicht. In der gigantischen Sammlung bildhauerischer Arbeiten aller Epochen beim Auktionshaus Dannenberg kommt kein einziges Mal „Wald“ vor.

Werk Nr. 96 darf mithin als unikal betrachtet werden. In zweifacher Hinsicht: Zum einen, dass die zugrundeliegende Idee einzigartig ist. Zum anderen, dass das Exemplar wegen der speziellen Technik des Bronzegusses nicht vervielfältigt werden kann.

Kunstwissenschaftlicher Überblick:

Bei der Malerei in Freiluft mit Einbeziehen umgebender Landschaften ergibt sich das Vorkommen von Wald von allein. Jedoch begegnet man einer alleinigen Abbildung eines Waldes fast nie. Ein Wald, malerisch ohnehin kaum schwierig, scheint aus Sicht des Künstlers wie des Publikums keine spezielle Aussage zu geben, er ist einfach da. Thema in der bewaldeten Flur sind einzig die abgebildeten Personen aller Art. Mal ein ernst dreinblickender Jäger auf der Pirsch oder ganze Jagdgesellschaften zu Pferde, die erkennbar zum Vergnügen im Wald herum wuseln, mit Massen von Hunden. In Frankreich eher eine intimere Gesellschaft locker gewandeter Männer mit spärlich bekleideten Frauen, die es sich in einem lichten Waldstück bequem machen und sich der Verkostung von Leckerbissen und geistiger Getränke hingeben. In der deutschen Romantik eine einzelne, recht einsam wirkende Person in Rückenansicht, die vielleicht gedankenvoll in die Umgebung schaut, die einem in der Abgeschiedenheit des Waldes in den Sinn kommen. Wie etwa beim Wanderer bei einer eindrucksvoll von alten Bäumen umwachsenen Klosterruine. Die malerisch angelegte Szenerie mit Dämmerung und nachfühlbarer Einsamkeit lässt die Vorstellung zu, dass beim Wanderer Ehrfurcht mit einem gewissen Gruselgefühl aufkommt.

Außerhalb der Bewaldung würde die Abbildung einer unromantisch irgendwo freistehenden Ruine wohl kaum emotionale Effekte mit sich bringen. Wird dem Wald deshalb Ehrerbietung bezeugt?

Ganz anders in der Bildhauerei, von den Anfängen bis heute, kommt Wald schlicht einfach nicht vor, allenfalls am Rande. Hier kommt nun Reuter ins Spiel, der übrigens in seinem Œuvre einen großen Anteil der Erdoberfläche mit ihren Erhebungen und ihren bizarren Strukturen gewidmet hat in den zahlreichen Reliefs, die Landschaften in Kappadokien darstellen.

Und damit zum allerersten Male den Anblick eines von selbst enstandenen floralen Naturgebildes als Idee zum Werk der Bildhauerei herausstellen.

Manchen könnte es stören, dass es keine Signaturen gibt. Die Oberfläche der Plinthe ist wie Waldboden aufgeworfen und eingedellt, keine einzige glatt ebene Stelle. Wozu auch braucht es einen Namenszug in einem Waldboden? Oder gar eine steife Stempelmarke in einer Baumrinde?

Die Authentizität dieses Unikats wird somit nur durch die Person des Nachlassinhabers und Sohn des Künstlers gewährleistet, der auch Urheber des Werkverzeichnisses ist.;

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